Folge 6

Zehn Ideen, sechs Plätze

Priorisieren ist kein Ersatz fürs Messen — es ist der erste Test. Das Finale der Serie, und deine letzte Sitzung in diesem Beirat.

5 Min. Lesezeit

Die Liste kam vom Beirat, und sie war lang. Zehn Ideen, in der Reihenfolge, in der sie eintrafen:

  1. Vorbestellung für die Familien auf der Wiese
  2. Noch einen Platz testen
  3. Den Preis auf 1,50 € erhöhen
  4. Der zweite See auf der anderen Seite des Waldes
  5. Ein Schild am Wegkreuz
  6. Ein Regenschirm-Deal mit dem Kiosk für die Regentage
  7. Eine größere Kühlbox
  8. Eine zweite Sorte
  9. Eine Treuekarte: zehn Eis, das elfte gratis
  10. Längere Zeiten

Mira rechnet, bevor sie sortiert. Bis zum Ferienende bleiben zwölf Verkaufstage. Jede Idee, die sie ernst nimmt, kostet mindestens zwei davon, weil ein Tag nichts beweist. Zwölf geteilt durch zwei sind sechs.

Sie sagt nicht „das schaffe ich nicht“. Sie sagt: „Ich mache diese sechs zuerst, und hier ist meine Begründung — du darfst umsortieren.“

Zeichnung: Zwei Kinder sortieren an einem Tisch neben der Kühlbox Karten; sechs goldfarbene Karten liegen bereits in einer Reihe, eine siebte hält das Mädchen gerade in der Hand, um sie einzuordnen, daneben liegen zwei getrennte Stapel unmarkierter grauer Karten.
Zehn Vorschläge, sechs Plätze — markiert sind die sechs, die Mira zuerst prüft.

Eine Kennzahl, gegen die sortiert wird

Sortiert wird gegen eine einzige Zahl: was eine Stunde am Stand einbringt, in Euro. Heute sind das an Platz A 6,50 €. Die Linie aus Folge 4 liegt bei 5 €.

Eis pro Stunde bleibt das Alltagsgesicht dieser Zahl, solange der Preis steht. Sobald der Preis sich bewegt, taugt es nicht mehr: Bei 1,50 € pro Eis sinkt die Stückzahl, und die Kasse kann trotzdem voller sein. Genau deshalb steht in Folge 4 die Kobra. Wer die Stückzahl belohnt, bekommt Stückzahl.

Die sechs, in ihrer Reihenfolge

Noch einen Platz testen. Die einzige Idee auf der Liste, hinter der schon ein Messwert steht: Zwischen A und B lagen vier Eis pro Stunde. Widerlegt, wenn der dritte Platz unter dreizehn bleibt.

Den Preis auf 1,50 € erhöhen. Die Marge steigt von 0,50 € auf 1,00 €, also muss sie nur noch 6,5 Eis pro Stunde verkaufen, um bei den heutigen 6,50 € zu bleiben. Sie darf die Hälfte ihrer Kundschaft verlieren und steht gleich da. Widerlegt, wenn nach zwei Tagen weniger als 6,5 Eis pro Stunde übrig sind.

Ein Schild am Wegkreuz. Kostet einen Karton, einen Stift und keinen Verkaufstag. Widerlegt, wenn zwei Tage mit Schild nicht mehr bringen als zwei ohne — dann war es ein Karton.

Eine größere Kühlbox. Der erste Schritt ist kein Kauf, sondern eine Uhrzeit. An Tag eins war die Box am Abend leer, und niemand weiß, seit wann. Ist sie nie vor Schluss leer, erledigt sich die Idee kostenlos. Ist sie es um 15 Uhr, war ihr Deckel nie der See, sondern die Box.

Eine zweite Sorte. Vier Tage lang zählt sie mit, wie viele nach etwas anderem fragen und ohne Eis weitergehen. Das sind die Flugzeuge aus Folge 3, die nicht zurückkommen. Widerlegt, wenn in vier Tagen weniger als zehn Leute fragen.

Längere Zeiten. Nicht „länger“, sondern stundenweise: Jede Randstunde wird einzeln gegen die 5 € gerechnet. Was die Linie hält, bleibt im Plan. Was sie nicht hält, wird gestrichen, auch wenn es sich fleißig anfühlt.

Die vier, die warten

Vorbestellung. Kein Mensch hat je danach gefragt. Das wäre die Lösung für ein Problem, das sie kein einziges Mal gezählt hat.

Der zweite See. Sie kann nur an einem Ufer stehen. Das ist keine Idee, das ist eine zweite Mira.

Der Regenschirm-Deal. Ein neues Produkt, ein neuer Partner und ein neuer Wetterfall auf einmal — und das an den Tagen mit den wenigsten Menschen am See.

Die Treuekarte. Jedes elfte Eis gratis drückt die Marge von 0,50 € auf 0,41 € und schiebt ihre Linie von zehn auf gut zwölf Eis pro Stunde, bevor ein einziges zusätzliches verkauft ist. Ob überhaupt jemand zweimal kommt, hat sie nie gezählt.

Warum das schon Messen ist

Lies die sechs Absätze oben noch einmal und achte darauf, was in jedem steht: die Bedingung, unter der Mira zugibt, dass sie falsch lag.

Damit ist die Liste keine Meinung mit Reihenfolge mehr, sondern eine Eine Hypothese ist eine Vermutung, die sich widerlegen lässt — „mehr Eis verkauft sich montags“ lässt sich messen und ist damit eine. „Der Markt ist halt so“ nicht. Eine Prioritätenliste ohne Hypothese ist nur eine Meinung mit Reihenfolge. ganze Karte pro Zeile. „Ich glaube, diese sechs bringen am meisten“ ist eine Behauptung, die schiefgehen kann — und das ist ihre einzige Qualität, die zählt.

Damit fällt auch der Einwand, der in jedem Unternehmen zuerst kommt: keine Zeit zum Messen. Die Testwoche in Folge 5 hat Mira keinen Verkaufstag gekostet; sie hat verkauft und dazu aufgeschrieben, wo sie stand. Und priorisiert wird sowieso. Wer keine Zeit zum Messen hat, hat trotzdem eine Reihenfolge — nur eine, die niemand widerlegen kann. Was sich nicht widerlegen lässt, wird auch nicht besser.

Deine Prioritätenliste ist keine Ausrede, das Messen zu überspringen — sie ist deine erste Hypothese.

Dein Platz im Beirat

Du sitzt seit fünf Folgen in diesem Beirat, und du hast einiges angerichtet.

In Folge 1 hast du ihr geraten, schneller zu werden. In Folge 2 hat dieser Rat 10 € gekostet. In Folge 3 hattest du eine Erklärung, die ihre Daten nicht prüfen konnten. In Folge 4 hast du ihr eine Zahl gegeben, mit der sich etwas entscheiden lässt. In Folge 5 hast du sie einen Vergleich bauen lassen, statt umzuziehen.

Jetzt hast du zehn Ideen geschickt, und ein elfjähriges Mädchen gibt dir vier davon zurück — mit Begründung, und mit der Einladung, umzusortieren.

Genau das ist die Übung. Ein Beirat, der Ideen liefert und keine Begründung verlangt, bekommt eine Liste. Ein Beirat, der zu jeder Idee fragt, was sie widerlegen würde, bekommt einen Plan.

Deine zehn Ideen liegen auf deinem eigenen Tisch. Die Zahlen sind größer, die Rechnung ist dieselbe.

Wohin von hier

Wenn du wissen willst, wie schnell bei euch entschieden wird: Der Entscheidungs-Check sind zehn Fragen und zwei Minuten, ohne Formular — deine Antworten verlassen deinen Browser nicht.

Wenn ein Begriff aus dieser Serie noch wackelt: Im Eis-Glossar steht jeder davon als Karte, erklärt am Eisstand.

Werkzeuge wechseln. Modelle bleiben.

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Punktuelles Sparring, wenn eine Entscheidung ansteht und du sie einmal mit jemandem drehen willst, der von außen draufschaut.

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