Praxis
Der Meeting-Standard
Sechs Regeln, eine Vorbereitungsnotiz, dreißig Sekunden Feedback am Schluss. Geliehen bei Amazon, Apple und Tesla — und der letzte Abschnitt gehört dir zum Kopieren.
Warum ich Meetings so buche — und warum du dir das ruhig klauen solltest.
Wenn du einen Termin bei mir buchst, steht in der Einladung eine kurze Vorbereitungsnotiz. Sie existiert aus genau einem Grund: damit unser Meeting sich lohnt — für dich, für mich und für alle anderen im Raum. Hier steht, was hinter jedem einzelnen Punkt steckt, mit Quellen, falls du tiefer einsteigen willst.
Der E-Mail-Test
Das teuerste Meeting ist das, das gar nicht hätte stattfinden müssen. Frag dich vor dem Buchen: Lässt sich das Ergebnis auch asynchron erreichen — per E-Mail, in einem gemeinsamen Dokument, mit einem kurzen Video? Wenn ja, ist das für alle Beteiligten fast immer schneller. Ein Meeting verdient seinen Platz, wenn wir in Echtzeit diskutieren müssen, wenn es kreatives Hin und Her braucht oder wenn eine Entscheidung ansteht, für die alle gleichzeitig am Tisch sitzen müssen.
Das One-Page-Briefing
Amazon hat PowerPoint bekanntlich verbannt. Stattdessen schreibt der, der ein Meeting einberuft, ein Memo in ganzen Sätzen — und das Meeting beginnt damit, dass alle es schweigend lesen. Die Logik dahinter: Schreiben zwingt zu klarem Denken, und gemeinsames Lesen heißt, dass die Diskussion aus einem geteilten Verständnis heraus startet statt bei null.
Sechs Seiten brauchen wir nicht. Aber bei komplexen Themen schlägt eine einzige geschriebene Seite — das Problem, der Kontext, dein Vorschlag — jede Agenda. Schick sie vorab, dann fließt unsere Meetingzeit vollständig in die Diskussion und nicht darein, uns gegenseitig auf denselben Stand zu bringen.
Zum Weiterlesen: Jeff Bezos über Amazons Memo-Kultur (Inc.) · Wie man einen Amazon-Sechsseiter schreibt (Lark)
Keine Zuschauer
Jeff Bezos’ „Zwei-Pizza-Regel“: Wenn zwei Pizzen die Runde nicht sattbekommen, ist das Meeting zu groß. Kleine Gruppen reden offen, entscheiden schneller, und niemand kann sich verstecken. Steve Jobs ging weiter und hat Leute schlicht aus Meetings entfernt, die dort nichts zu suchen hatten — nicht als Beleidigung, sondern als Geschenk an ihre Zeit.
Also: Lade nur Leute ein, die aktiv zum Ergebnis beitragen. Alle anderen bekommen hinterher die Zusammenfassung, in zwei Minuten statt in sechzig.
DRI — Directly Responsible Individual
Ein Meeting ohne zugeordnete ToDos ist ein Gespräch, kein Meeting. Bei Apple bekommt jedes ToDo auf einer Meetingliste einen DRI — eine namentlich genannte Person, die direkt dafür verantwortlich ist, mit Fälligkeitsdatum. Kein Team, kein „man müsste mal“ — ein Name. Das klingt bürokratisch und ist in der Praxis das Gegenteil: Alle gehen raus und wissen genau, wer was bis wann tut, und nichts fällt hinten runter.
Zum Weiterlesen: Wie Steve Jobs Meetings produktiv machte (World Economic Forum)
Früher fertig = früher Schluss
Elon Musk hat seinen Tesla-Mitarbeitern gesagt, sie sollen jedes Meeting in dem Moment verlassen, in dem sie nichts mehr beitragen — sinngemäß, weil es respektlos sei, jemanden festzuhalten und seine Zeit zu verschwenden. Wir halten es freundlicher: Wenn wir das Ergebnis nach 20 Minuten eines 45-Minuten-Slots erreicht haben, hören wir auf — und du bekommst 25 Minuten deines Tages zurück. Früher Schluss ist ein Erfolg, kein Scheitern.
Zum Weiterlesen: Musks Produktivitätsregeln aus seiner Tesla-Mail (CNBC)
Like & Wish
Dreißig Sekunden am Schluss: Alle nennen reihum eine Sache, die funktioniert hat (Like), und eine, die beim nächsten Mal besser laufen soll (Wish). Das hält das Format ehrlich und in Bewegung — diese Seite hier ist selbst das Produkt vieler Wishes.
Klau dir das Format
Diese Struktur ist nicht auf meinem Mist gewachsen — sie ist aus Ideen von Amazon, Apple und Tesla zusammengesetzt und für ganz normale Geschäftsmeetings angepasst. Kopier sie, pass sie an, pack sie in deine eigenen Einladungen. Die Vorlage:
Deine Zeit ist wertvoll. Diese Struktur hält unser Meeting kurz, vorbereitet und lohnend.
SCHRITT 1 — DER E-MAIL-TEST
Wenn sich das Ergebnis asynchron erreichen lässt (E-Mail, Dokument, kurzes Video),
machen wir das lieber so — das ist für uns beide schneller. Buch ein Meeting nur,
wenn wir live diskutieren oder entscheiden müssen.
SCHRITT 2 — BEANTWORTE DIESE 4 FRAGEN IM KOMMENTARFELD
1. Ergebnis — Was soll am Ende entschieden oder erreicht sein?
2. Agenda — Max. 3 Punkte, das Wichtigste zuerst.
3. Vorbereitung — Was kann jeder von uns vorher vorbereiten? Unterlagen vorab schicken.
Bei komplexen Themen: ein einseitiges schriftliches Briefing schlägt jede Agenda.
4. Teilnehmer — Nur Leute, die zum Ergebnis beitragen. Keine Zuschauer.
SO LÄUFT ES AB
• Wir starten mit dem Ergebnis und halten uns an die Agenda.
• Jedes ToDo bekommt einen DRI (Directly Responsible Individual) und ein Fälligkeitsdatum.
• Ergebnis-Check am Schluss. Früher fertig = früher Schluss.
DANACH
• 30 Sekunden Feedback: ein Like, ein Wish.
• Alles Weitere läuft asynchron.
Dazu passt
Advisor
Punktuelles Sparring, wenn eine Entscheidung ansteht und du sie einmal mit jemandem drehen willst, der von außen draufschaut.